Die Zukunft ist jetzt

Die Zukunft ist jetzt

Viel zu schnell muss ich den Garten Eden auf Kreta hinter mir lassen und befinde mich auf dem Rückflug. Eiligst bestelle ich in meinen Gedanken beim Universum, gefälligst kein Chaos anzurichten und mich ohne Verzögerung nach Hause zu bringen. Mir steht nicht der Sinn danach, noch einmal eine Nacht auf dem Athener Flughafen zu stranden…
Mit Wohlwollen stelle ich fest, dass die Reise reibungslos verläuft. Pünktlich lande ich in Athen und habe nun drei Stunden Aufenthalt, bis mein Anschlussflug nach Frankfurt startet.
Die Anzeigentafel informiert über die korrekte Abflugzeit. Ich bin ganz entspannt.
Ich laufe vorbei an Geschäften, sündhaft teuren Boutiquen, Juwelieren und Parfümerien. Touristen der unterschiedlichsten Nationalitäten eilen an mir vorbei, als ich ein Cafe mit Bar und Stühlen erblicke. Ich suche mir einen freien Platz, bestelle Kaffee bei dem freundlich lächelnden Griechen, der flink und dennoch auffällig elegant bedient.
Warum die Zeit nicht nutzen und mit den Tarotkarten etwas üben? Also krame ich in meiner Tasche und ziehe die Karten heraus. Sortiere sie, lege sie nach einem ganz bestimmten Muster aus und weiß, es wird nicht lange dauern, bis mich jemand anspricht.
Keine sechzig Sekunden sind vergangen, da flötet mich ein wohlriechender Mann von hinten an und möchte wissen, ob ich englisch verstehe.
Ich drehe mich auf dem Barhocker um und erblicke einen gepflegten Mann mittleren Alters in einem perfekt geschnittenen Anzug. Insgesamt macht er einen überaus seriösen und gebildeten Eindruck.
Ich antworte ihm in englisch zurück, als er seinen Blick auf die Tarotkarten lenkt und wissen will, ob ich die Zukunft sehen kann.
„Die Zukunft ist jetzt – the future is now, werfe ich ihm entgegen und wir brechen beide in heiteres Lachen aus.
Flink kommt auch schon der griechische Kellner an-getänzelt und die Herren unterhalten sich in ihrer Muttersprache. Irgend etwas sagt mir, dass sie sich schon länger kennen.
Der Kellner entschwindet und der perfekte Anzug möchte die Karten gelegt haben.
Warum nicht? Wieder sortiere ich die Karten und beginne mit dem Ritual – mitten im Hauptbetrieb des Athener Flughafens. Neben mir der Top-Manager der Lufthansa.
Ich komme aber auch immer Situationen…
Noch während des Mischens kommt der tänzelnde Kellner und tischt auf. Champagner. Fingerfood. Früchte. Nüsse in kleinen Schälchen. Oliven und Käse runden die Götterspeisen ab.
Der Kellner bringt aber noch etwas: einen Aschenbecher. Also noch mal: ich sitze in der Nichtraucherzone rauchend, mit einem Göttermal beschenkt, im Athener Flughafen und lege dem big boss der Lufthansa die Karten. Ich fühle mich beschwipst – aber der Champagner ist es nicht, den habe ich ja noch gar nicht angerührt.
Mein griechischer neuer Freund erzählt mir, dass er viele Jahre in Stuttgart gearbeitet hat, als er schnell errät, dass ich aus Deutschland komme.
Ich decodiere ihm die Karten und sehe sehr wohl, dass er meine Beratungen ernst nimmt und sehr aufmerksam zuhört, bis wir zum Ende kommen. Er schaut mich an und bittet mich äußerst charmant, seinem Freund ebenfalls die Karten zu legen. Er übersetzt, da der Freund nur schlecht englisch spricht und kein deutsch.
Wieder beginne ich die Karten zu ordnen, als er seinen Freund von der anderen Seite der Bar zu sich winkt. Er stellt uns vor und erklärt ihm, was da nun auf ihn zu kommt. Ich schmunzel in mich hinein und nehme mir einen Schluck des edlen Getränks.
Als ich mit der Sitzung seines Freundes fertig bin, sind es plötzlich zwei gestylte junge Damen aus der edlen Parfümerie, die sich die Karten legen lassen möchten.
Wieder mischen. Legen und decodieren…
Zum Abschluss erhebe ich mein Champagnerglas in die Runde, proste allen zu und sage:
The future is now, jamas!
Vor mir auf der glänzenden Holzbar steht eine Tüte mit den Geschenken der Damen aus der edlen Parfümerie.
Als ich einen Blick hinein werfe, sehe ich noble Kostbarkeiten aus der Welt der Düfte und Schönheit und ich muss daran denken, dass das die Geschenke der Aphrodite sind. Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe, der Schönheit. Sie verkörpert die sinnliche Begierde und sie ist eine olympische Gottheit. Unter den Planeten unseres Himmels entspricht sie der Venus.
Auf dem Weg zum Gate meines Fliegers, bin ich immer noch am Schmunzeln. Eines weiß ich gewiss, die griechischen Götter sind äußerst großzügig mit ihren Geschenken. Sie haben ein Herz für diejenigen, die sich auf der Durchreise befinden und laden zur großen Tafel ein.
Ein bisschen habe ich das Gefühl, dass das die Wiedergutmachung des Schicksals ist, weil es mich auf der Hinreise hatte so kläglich für eine Nacht stranden lassen.
Die Zukunft ist jetzt.
Jamas, Griechenland!
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